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Weihnachtsausstellung 2016

Joseph Adam Mölk, Geburt ChristiVon Verkündigung bis Lichtmess - Weihnachtliche Motive und Krippen im Diözesanmuseum St. Pölten
26. 11. 2016 – 02. 02. 2017

Neben Krippen aus Nachbargebieten der Diözese werden in der heurigen Weihnachtsausstellung des Diözesanmuseums auch biblische und volkstümliche Darstellungen mit Motiven des Weihnachtskreises gezeigt. Dieser Abschnitt des Kirchenjahres erstreckt sich traditionell vom ersten Adventsonntag bis zu Mariä Lichtmess. Seine Feste und Themen sind um das Hauptereignis – der Geburt und Menschwerdung Christi in der Heiligen Nacht – sowie um das zweite Hochfest der Weihnachtszeit – die Offenbarung seiner Macht zu Epiphanie, Erscheinung des Herrn, volkstümlich auch Heilige Drei Könige –, angeordnet. Inhaltliche Grundlage sind die Berichte in den Evangelien, die auch für die bildnerischen Darstellungen des heilsgeschichtlichen Geschehens vorbildlich sind und folgende Themenkreise enthalten: die Vorgeschichte, die mit den im Advent verkündeten Erzählungen über die Geburt und das Vorgängerwirken Johannes des Täufers kombiniert wird, das zentrale Ereignis der Heiligen Nacht und die mit der Anbetung der Heiligen Drei Könige verbundenen Ereignisse, die Kindheitsgeschichte sowie die mit der Hochzeit zu Kana einsetzenden ersten öffentlichen Auftritte Jesu. Vor allem die innigen Berichte des Evangelisten Lukas über die Vor- und Kindheitsgeschichte beeinflussten die Chronologie des Weihnachtsfestkreises und waren für deren Verankerung im Volksglauben maßgebend. In die lukanische Vorgeschichte mit den Hauptereignissen der Verkündigung und Heimsuchung sind mit dem Englischen Gruß (Ave Maria), der Lobpreisung der Elisabeth und des darauf folgenden Magnificat die schönsten poetischen Abschnitte des Neuen Testaments eingegangen. Die mit der Steuererfassung unter Kaiser Augustus beginnende Geburtsgeschichte nach Lukas bildet das meist gelesene Weihnachtsevangelium und reicht bis zur Verbreitung der weihnachtlichen Botschaft durch die Hirten. Anschließend berichtet Lukas über Beschneidung, Namensgebung und Darstellung im Tempel und schließt die Kindheitsgeschichte mit dem zwölfjährigen Jesus im Tempel ab. Das Matthäus-Evangelium enthält den Traum Josefs, in dem ihn ein Engel über die bevorstehende Geburt des Erlösers unterrichtet, und gibt der Erzählung über die drei Weisen aus dem Morgenland und den damit verbundenen Ereignissen – der Heimtücke des Herodes, der Flucht nach Ägypten, dem Bethlehemitischen Kindermord und der Rückkehr der Heiligen Familie nach Nazareth – breiten Raum. Vielfach wurden die biblischen Erzählungen von Künstlern in illustrativem Sinn ausgeschmückt und die Ereignisse aus dem Leben Jesu und Mariens zu eigenen, theologisch interpretierten bzw. in volkstümlicher Weise gedeuteten Szenen gestaltet. So sind im Lilienfelder Josephs-Zyklus von 1661, der in 20 Szenen das Leben des heiligen Nährvaters präsentiert, auch anmutige und volkstümliche Motive in die Darstellungen eingeflossen. Diese selbständigen Motive und Szenen des Weihnachtsgeschehens vermag die Krippe zusammenzuführen. Durch die Einbeziehung alltäglicher Typen und Themen in die Gegenwart versetzt, werden sie der beschaulichen Betrachtung nachvollziehbar. Dabei gehen die vielfältigen Bestandteile der Krippe in einem gestalteten Ganzen von großer inhaltlicher und emotionaler Wirkung auf.

Die in der Ausstellung präsentierten Krippen zeigen diese Inszenierung mit heilsgeschichtlichen und irdischen Motiven und deren gefühlvoll akzentuierte, kompositorische Anordnung. Sie stammen großteils aus dem böhmisch-mährischen Raum, aus den Krippenzentren Grulich und Iglau. Typisch sind die in zahlreichen Niveaus angeordneten Krippenberge, die – von der böhmischen und mährischen Landschaft und ihren Stadtkulissen bestimmt – den vielfigurigen Szenerien aus Heilsgeschichte und Alltagsleben Platz bieten. Bereichert wird die Ausstellung durch eine große, aus Ebensee stammende Landschaftskrippe, die auf höchst anschauliche Weise die ungebrochene Tradition des für seine Krippenkunst berühmten Salzkammergutes repräsentiert.

Für das Zustandekommen ist dem Team des Diözesanmuseums und den Leihgebern zu danken: den Stiften Lilienfeld und Klosterneuburg, der Pfarre Arbesbach und dem Südmährerhof in Niedersulz. Besonderer Dank gebührt Prof. Josef Geissler, der zahlreiche Weihnachtsdarstellungen und böhmische Krippen zur Verfügung stellte und Dr. Franz Gillesberger, der als Leiter des Museum Ebensee die Ausstellung der Salzkammergut-Landschaftskrippe ermöglichte. Beide trugen maßgeblich und tatkräftig zur Realisierung der Ausstellung bei.

Dr. Wolfgang Huber