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Weihnachtsausstellung 2015

Krippe der Pfarrkirche Eggenburg

Weihnachtskrippen aus dem Waldviertel
21. November 2015 - 13. Dezember 2015

In Fortführung der vorjährigen Krippenausstellung zeigt das Diözesanmuseum St. Pölten auch heuer Weihnachtskrippen aus dem Gebiet der Diözese. Waren es damals Krippen aus dem südwestlichen Niederösterreich, so stammen diesmal die Zeugen der weihnachtlichen Volksfrömmigkeit aus dem nordwestlichen Landesviertel, dem Waldviertel.

Auch hier entspricht die Entwicklung der Krippenkultur anderen Regionen Ostösterreichs. Darstellungen weihnachtlicher Szenen sind bereits auf mittelalterlichen Wandmalereien oder spätgotischen Flügelaltären zu sehen. Nach der anschließenden krippenfeindlichen Reformationszeit treten im Waldviertel erst im Laufe des 17. Jahrhunderts Zeugnisse für das Vorhandensein von Krippen auf. Die bislang älteste Nennung einer Waldviertler Krippe stammt aus Eggenburg, als die Bürgersfrau Barbara Daumbin 1636 „dem Jesuskind in der Krippen ein Kindsdeckerl aus Goldstuck“ vermacht hat. Von barocken Erzeugnissen ist nicht viel überliefert. Grund dafür und für den Verlust an barocken Kirchenkrippen ist das josefinische Krippenverbot von 1782, das in Niederösterreich streng durchgeführt wurde. Dadurch gingen nicht wenige Krippen verloren bzw. gelangten in bürgerlichen Besitz. Eine Ausnahme bildet der 1722–24 vom Bildhauer Johann Schmidt geschaffene Krippenaltar im Kreuzgang von Stift Dürnstein sowie die in den rechten Seitenaltar der Pfarrkirche von Arbesbach integrierte Anbetungsgruppe, die um 1780 gefertigt wurde und auch in der Ausstellung gezeigt wird.

Nach Aufhebung des Verbots kam es ab dem Ende des 18. Jahrhunderts vermehrt zur Produktion und Anschaffung von Krippen. Von diesen regional gefertigten oder importierten Krippen hat sich im Waldviertel doch einiges erhalten. Die szenenreiche, großformatige Kastenkrippe aus dem Waidhofener Stadtmuseum wurde um 1800 gebaut und befand sich ursprünglich in der dortigen Bürgerspitalskirche. Charakteristisch sind die vielen volkstümlichen Szenen, die das zentrale Geschehen umrahmen. Auch die den Krippenberg bekrönende Stadtsilhouette ist – wie Teile der Vegetation – heimatlichen bzw. böhmischen Formen entnommen und versetzt mit den alltäglichen Begebenheiten das weihnachtliche Ereignis in die nähere Heimat und damalige Zeit. Mit der Kastenkrippe aus der Ortskapelle von Wiederfeld ist ein höchst interessantes Beispiel der klassizistischen bzw. frühbiedermeierzeitlichen Krippenkunst erhalten. Deutlich 1823 datiert und mit dem Namen des Krippenbauers Ludwig Boreck bezeichnet, entspricht diese detailreiche Wachsfigurenkrippe dem Einsetzen einer neuen Blüte der Volkskunst nach der josefinischen Epoche. Laut mündlicher Überlieferung soll sie aus einem Wiener Kloster stammen. Die in ein Empiregehäuse eingebaute Kastenkrippe aus Grafenberg (Höbarthmuseum Horn) zeigt das in einer weiträumigen, vom mauerbewehrten Jerusalem bekrönten Landschaft stattfindende, weihnachtliche Geschehen in belebter Szenerie und von zwei Strahlenkränzen überhöht. Die auch in ihrem Symbolgehalt interessante Krippe kombiniert heimische und orientalisch anmutende Züge, der qualitätvolle barocke Figurenbestand wurde später durch hausindustriell erzeugte bzw. importierte Typen ergänzt.

Die um die Mitte des 19. Jahrhunderts einsetzenden soziologischen Änderungen wie der Zuzug von Bevölkerungsgruppen aus Böhmen, Mähren und Schlesien sowie der einsetzende Liberalismus hatten Einflüsse auf die Erzeugnisse der Volkskultur. Krippen wurden nun nicht nur von heimischen Künstlern produziert, sondern zunehmend aus den damaligen großen Krippenwerkstätten der Monarchie importiert.

Nimmt sich das Waldviertler Krippengut gegenüber reicheren Krippenlandschaften Österreichs zwar bescheiden aus, so haben sich doch bemerkenswerte – für diese Ausstellung erstmals recherchierte – Beispiele erhalten. In der Region geschaffen oder importiert, zeugen sie von einer nicht unwesentlichen Tradition dieser volkstümlichen Glaubensformen.

Dies aufzuzeigen ist ein wichtiges Anliegen der Ausstellung, ebenso soll auf die Erhaltung und Pflege der gelegentlich durch unsachgemäße Lagerung und mangelnde Wertschätzung gefährdeten Objekte hingewiesen werden.

 

Dr. Wolfgang Huber