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Weihnachtsausstellung 2014

Krippe Bürgerspitalskirche Waidhofen/YbbsKrippen aus dem südwestlichen Niederösterreich – Vorweihnachtliche Ausstellung im Diözesanmuseum St. Pölten
29. November 2014 – 8. Dezember 2014

Krippen bilden einen wesentlichen Bestandteil der Weihnachtszeit und des weihnachtlichen Brauchtums. Zeigen sie vor allem das zentrale Ereignis der Heiligen Nacht, werden sie oft szenisch erweitert und stellen auch Begebenheiten aus der Kindheitsgeschichte Jesu dar. Ihre vielfältigen Formen sind durch den religiösen Zweck und das beschaulich-anbetende Gefühl bestimmt, weniger von ästhetischen Erwägungen. Durch die teilnehmende Betrachtung sollen das Geheimnis sowie die Einmaligkeit der Menschwerdung zur Weihnachtszeit wieder in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt und die Gegenwärtigkeit des heiligen Geschehens erlebbar und nachvollziehbar werden. Dabei gehen die vielfältigen Bestandteile der Krippe in einem Ganzen von großer inhaltlicher und emotionaler Wirkung auf, was zur Identifikation des Betrachters mit dem Geschauten führt.

So darf es an Eindringlichkeit nicht fehlen, Miene und Geste drücken oft drastisch das Empfinden der Beteiligten aus: Das Erschrecken der schlafenden Hirten wird genauso real wie deren beschauliches Anbeten, gleichsam hörbar wird auch das Blöken der Schafe und das Musizieren der Engel. Dabei wird kein Thema gescheut, das ganze irdische Leben wird in den Umkreis der Krippe einbezogen. Aufgabe des Krippenbauers ist es, für die entsprechende Anordnung und Akzentuierung der Szenen zu sorgen. Dafür bot schon früh die bergige Gestaltung des Schauplatzes, der Krippenberg, die geeignete Bühne. Er ermöglicht die Verteilung der verschiedenen Gruppen und Handlungen. Die Inszenierung mit verschiedenen Motiven ermöglicht das Eindringen des Göttlichen in das natürliche Leben, das Strahlen des Lichtes in die profane menschliche Umwelt.

Die in der Ausstellung gezeigten gestaltungsreichen Glaubens- und Brauchtumszeugnisse stammen aus dem Gebiet an Ybbs und Erlauf mit der bedeutenden Eisenstadt Waidhofen. Tritt Niederösterreich zwar gegenüber reicheren Krippenlandschaften, wie dem Salzkammergut und den Hochalpenländern bescheiden zurück, so ist es gerade diese Region Niederösterreichs, die über eine bedeutende Krippentradition und Krippenkultur verfügt. So ist mit der spätgotischen Drei-Königs-Gruppe aus der Waidhofner Bürgerspitalskirche eine frühe Vorform der Krippe erhalten. Schriftliche Nachrichten über Krippen in Mostviertler Kirchen und Klöstern sind aus dem 17. Jahrhundert erhalten. Von einer der stattlichsten Krippen Niederösterreichs stammen die in der Ausstellung gezeigten Gliederpuppen der Gaminger Kartäuserkrippe, die um 1720 vermutlich von einem Kartäusermönch geschnitzt wurden. Ebenfalls in das 18. Jahrhundert datieren die qualitätvollen, bunt gefassten Barockfiguren der Ulmerfelder Pfarrkirche.

Diesen Kirchen- und Klosterkrippen traten im Laufe des 18. Jahrhunderts Hauskrippen an die Seite und ab dieser Zeit sind auch Namen von Krippenherstellern überliefert, so des 1748 nach Ybbsitz zugewanderten Schnitzers Josef Molterer, von dem eine um 1800 entstandene Hauskrippe aus dem dortigen Museum gezeigt wird. Durch die josephinischen Verbote, Krippen in Kirchen aufzustellen, wanderten auch einige barocke Kirchenkrippen in bürgerlichen Besitz und sind so zu Hauskrippen geworden.

Nach der Aufhebung dieses Verbots wurden wieder Krippen für Kirchen angeschafft und ab der Mitte des 19. Jahrhunderts nahm die Krippenkultur auch durch Import aus den großen Krippenwerkstätten der Monarchie einen beachtlichen Aufschwung. Doch auch heimische Künstler waren in unserem Gebiet für Kirchen und private Auftraggeber tätig. Der bekannteste und wohl produktivste heimische Krippenbauer war der 1852 im oberösterreichischen Laab (Bezirk Perg) geborene, ab 1874 in Waidhofen ansässige und dort 1929 verstorbene Ignaz Oberratter, von dem zahlreiche Kirchen- und Kastenkrippen erhalten sind. Oberratter-Krippen bilden auch insofern den Schwerpunkt der Ausstellung, indem einige seiner monumentalen und figurenreichen Kirchenkrippen gezeigt werden. Das südwestliche Niederösterreich weist nach wie vor eine lebendige „Krippenszene“ auf, von der wichtige zeitgenössische Beispiele in der Ausstellung präsentiert werden.

Durch die Mithilfe von Herrn Amtsdirektor i. R. Friedrich Almer, der neben seinem großen Fachwissen auch selbstgeschaffene Krippen zur Verfügung stellte, wurde die repräsentative Auswahl jüngerer Krippen ermöglicht.

Dr. Wolfgang Huber