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Sonderausstellung 2016

Kirche und K... - Sakrale Ausstattungen zwischen Kult und Kunst
30. April 2016 - 29. Oktober 2016
Einblick in die Sonderausstellung 2016

Unter dem Titel „Kirche und K... – Sakrale Ausstattungen zwischen Kult und Kunst“ ist die heurige Sonderausstellung des Diözesanmuseums St. Pölten der Bedeutung sowie den Typen und Formen des sakralen Kunstgutes gewidmet. Dabei soll die historische Entwicklung der „zum Gottesdienst gehörenden Dinge“ vorgestellt und mit signifikanten Beispielen aus den Beständen des Diözesanmuseums und seiner Depots veranschaulicht werden. Ihre Verwendung in der alten und der durch die Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils erneuerten Liturgie, die manche der sakralen und liturgischen Objekte vielfach funktionslos machten, wird dabei thematisiert.

Einleitend wird der normative Grundgehalt der sakralen Kunst westlicher Tradition an Hand von Zitaten aus den offiziellen Konstitutionen und lehramtlichen Dokumenten vorgestellt und interpretiert. Bestimmend dabei ist der Bezug zu den fundamentalen christologischen Aussagen und den in der kultischen Feier gegenwärtigen Mysterien, also im Wesentlichen zur Liturgie. So sind die liturgischen Orte wie Altar und Ambo zentrale Bestandteile des kirchlichen Raumes und seiner Ausstattung, ebenso die dazugehörigen vasa sacra – Geräte, die mit dem Allerheiligsten in Berührung kommen. Neben diesen Hauptbestandteilen entfaltet sich im sakramentalen Geschehen sowie im Nacheinander des Kirchenjahres mit seinen jeweiligen Festen und Themen auch das inhaltliche und ikonographische Programm, sozusagen das weitere inhaltliche Spektrum sakraler Kunst. Den christologischen und marianischen Folgen sowie den Bildern und Statuen von Heiligen kommen dabei eine sowohl für die Kirchenausstattung als auch für die Volksfrömmigkeit bedeutende Rolle zu.

 

Dazu werden die vom Ritus bestimmten Typen der Sakralarchitektur und die darauf bezogenen Ausstattungen sowie die im Laufe der Jahrhunderte erfolgten Änderungen im Kirchenraum und an seinen Bauelementen vorgestellt. Prägend waren die großen Änderungen durch das Tridentinische (1545–1563) und das Zweite Vatikanische (1962–1965) Konzil mit ihren Auswirkungen auf das sakrale Kunstgut. Die in der Ausstellung gezeigten Objekte geben Einblick in das reiche liturgische und inhaltliche Programm kirchlicher Ausstattungen sowie ihrer formalen und stilistischen Ausprägungen.

Am Beispiel des imposanten barocken Altarmodells von Joseph Matthias Götz für die Kremser Piaristenkirche werden Funktionen und Formelemente der für viele Kirchen unseres Bundeslandes typischen vorkonziliaren Altäre, ihre Aufbauten und Bestandteile äußerst anschaulich präsentiert. An Hand von Altarskulpturen, Reliquiaren, Kanontafeln und Leuchtern, der dazugehörigen Altarwäsche und einigen Altarbildern wie der beeindruckenden großformatigen Taufe Jesu des Kremser Schmidt kann das ganze Instrumentarium barocker Sakralkunst nachvollzogen werden.

In einem weiteren Abschnitt werden liturgische Funktion und Inhalt eines Tabernakels vorgestellt. Davon ausgehend werden die anderen für die Liturgie zentralen Geräte, wie Kelche und Monstranzen sowie für die Eucharistie bestimmte Paramente und ihre kultische Bedeutung erläutert.

Auch Gegenstände der Volksfrömmigkeit und des Wallfahrtswesens wie Prozessionsfahnen werden in diesem Zusammenhang präsentiert.

Gezeigt wird ebenso der Umgang mit einigen, bereits durch frühere Reformen sowie in Folge ästhetischer und stilistischer Umorientierungen funktionslos gewordenen sakralen Gegenständen. Von verantwortungsvollen Pfarrherren bewahrt, wanderten sie vielfach ins Museum oder in ein Depot. In diesem Zusammenhang wird auch die Geschichte des 1888 gegründeten St. Pöltner Diözesanmuseums als älteste derartige Institution in Österreich erläutert, wobei sowohl die gesellschaftlichen, kulturellen und kirchenpolitischen Hintergründe als auch die Person und die Motivationen des Museumsgründers Prof. Kanonikus Johannes Fahrngruber eingehend dargestellt werden. Damit wird auch die Rolle dieser bedeutenden Museumsgründung in das zeitgenössische kulturelle und kirchliche Umfeld gestellt. Der frühere Umgang mit den Objekten selbst, der von Verwahrlosung bis zu restauratorischen Maßnahmen reicht, wird durch das in den Museumsräumen eingerichtete Schaudepot nachvollziehbar. So wird auf Aspekte der Erhaltung sakralen Kunstgutes sowie seiner Aufbewahrung übergeleitet und dieser Themenbereich mit der Vorstellung der aktuellen Aufgaben des Diözesanmuseums beschlossen.

Dr. Wolfgang Huber