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Sonderausstellung 2015

MEISTERWERKE AUS DEM KERESZTÉNY MUSEUM ESZTERGOM

12. Mai - 31. Oktober 2015

Die Dame mit dem Einhorn

Das 1875 unter Fürstprimas Kardinal János Simor eröffnete Keresztény Múzeum (Christliches Museum) in Esztergom (Gran) beherbergt die größte Sammlung kirchlicher Kunst in Ungarn sowie einen international anerkannten Bestand an ungarischen und europäischen Werken bildender und angewandter Kunst.

So verfügt es nach dem Museum der Bildenden Künste und der Nationalgalerie in Budapest über die bedeutendste Gemäldesammlung in Ungarn. Der Reichtum und die Vielfältigkeit dieses Museums basieren im Wesentlichen auf drei, sukzessive durch Schenkungen und Ankäufe erweiterten Stammkollektionen: Grundstock war die nach damaligen künstlerischen, pastoralen und pädagogischen Gesichtspunkten angelegte, aus Bildergalerie und Kupferstichkabinett bestehende Sammlung des Museumsgründers Erzbischof János Simor. Sie wurde durch Erwerbungen wie der Gemäldesammlung des römischen Domherrn Raffaele Bertinelli und mittelalterlicher Kunstgewerbeobjekte des Kölner Domherrn und Kunstsammlers Alexander Schnütgen kontinuierlich erweitert. In ihrer Bedeutung wurde sie wesentlich durch die nach wissenschaftlichen Kriterien erfolgte Eingliederung der reichhaltigen und vielseitigen Privatsammlung des Bischofs Arnold Ipolyi gesteigert. Der Schüler am Wiener Pazmaneum und spätere Bischof von Großwardein (heute Rumänien) war ein herausragender Gelehrter und der erste namhafte Kunsthistoriker Ungarns, der sein Sammlungsinteresse auf das Mittelalter und die Volkskunst fokussierte. Spätmittelalterliche Tafelmalerei aus Ungarn, Österreich und Deutschland sowie des italienischen Trecento und Quattrocento, Ikonen, Goldschmiedekunst, volkstümliche Stickereien aus allen Gegenden Ungarns und orientalische Textilien gelangten dadurch ins Museum. Eine weitere Bereicherung erfolgte 1926 durch die Übernahme des bedeutenden Nachlasses der aus Ungarn gebürtigen Fürstin Mileva Nakó-San Marco. Er enthält neben frühneuzeitlicher Malerei einen bedeutenden Fundus an Goldschmiedekunst sowie eine umfassende ungarische und europäische Keramik- und Porzellankollektion.

Die Sammlungsgeschichte spiegelt sich im Aufbau und in den thematischen Schwerpunkten des Museums wider: Gotische Malerei und Bildhauerei, Italienische Malerei, Flämische Malerei und Tapisserien, barocke Malerei, Malerei des 19. Jahrhunderts, Kunsthandwerk mit der bemerkenswerten Textilsammlung, Goldschmiedekunst und Keramik.

 

Die Ausstellung im St. Pöltner Diözesanmuseum wurde in enger Kooperation mit dem Christlichen Museum in Esztergom konzipiert und erarbeitet. Mehr als 100 Leihgaben bieten einen repräsentativen Querschnitt durch diese großartige kirchliche Sammlung. An Hand von alten Ansichten, Büchern und Schriftquellen aus der Dombibliothek und der Bibliothek der Theologischen Hochschule wird die über 1000jährige Geschichte der ersten ungarischen Königs- und Erzbischofsresidenz dokumentiert. Auch die Baugeschichte der prominenten Kathedrale, des ursprünglichen Zentrums der ungarischen Kirchenorganisation, wird anschaulich dargestellt. Einige kostbare liturgische Objekte aus der weltberühmten Domschatzkammer belegen die herausragende Bedeutung des ungarischen Primatialsitzes.

 

Im Rahmen der Ausstellung und im Katalog werden sowohl die über ein Millennium währenden Beziehungen der ungarischen Kirche zu Österreich als auch die der beiden Nachbarländer in geschichtlicher und kultureller Hinsicht thematisiert. Über die Ausstellung hinaus sollen durch dieses länderübergreifende Projekt die Kontakte der ungarischen und österreichischen Kirche sowie der zwischenstaatliche Austausch im Sinne gegenseitigen Verständnisses, Respektes und Toleranz gefördert werden.