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Sonderausstellung 2014

BRONZE-ZEIT/EN

10. Mai - 31. Oktober 2014

Sonderausstellung 2014 | Copyright: Diözesanmuseum St. Pölten

ZUR AUSSTELLUNG

In der Sonderausstellung des St. Pöltner Diözesanmuseums tritt die urgeschichtliche Periode der Bronzezeit mit anderen, zeitlich verschiedenen kulturellen Äußerungen in einen, durch das gemeinsame Material - die Bronze - bedingten, Dialog. Die Objektgruppen werden in drei selbständigen Abschnitten präsentiert und beinhalten die bronzezeitlichen Depotfunde aus Gobelsburg, Münzen und Medaillen der neu geordneten Münzsammlung des Diözesanmuseums sowie zeitgenössische Bronzeskulpturen von Josef Colz. Der Bogen wird also von der Urgeschichte bis zur Gegenwart gespannt.
Die Fähigkeit, Metalle zu bearbeiten, steht in einer Reihe großer kultureller und zivilisatorischer Entdeckungen und hatte neben technischen auch weitreichende wirtschaftliche sowie gesellschaftliche Auswirkungen. Der Bronzeguss erlaubte den Austausch und Handel genormter Waren, die Bronzebarren fungierten als prämonetäres Zahlungsmittel. Nach den paradiesischen Zuständen der ersten beiden friedlichen Zeitalter - des goldenen und silbernen - lässt Ovid im ersten Buch seiner Metamorphosen das eherne (kupferne, bronzene) und dann das eiserne Geschlecht auftreten. MIt jenem kamen Krieg, mit diesem Habsucht und Gewalt in die Welt, die von dem begehrten Metall verändert wurde. Doch mit dem neuen Werkstoff waren auch neue geistige und künstlerische Möglichkeiten verbunden. Schmied und Bergmann waren frühe Spezialisten, der "homo faber", der "Verfertiger" und schöpferische Mensch weiß Werkzeuge und technische Hilfsmittel zur Bewältigung seiner Lebensumstände herzustellen. Doch - wie für jedes Kunstwerk - gilt auch für das urgeschichtlich gestaltete Objekt, dass dahinter eine bestimmte Absicht, eine Idee steht, deren formale Umsetzungen zur Manifestation allgemeiner und spezifischer kultureller Intentionen wurden. Unter den genannten Aspekten, die von der historisch-materiellen Bedeutung zur künstlerischen Bearbeitung des Werkstoffes reichen, bietet die Ausstellung eine mehrschichtige Annäherung an das Phänomen Bronze.
Zusammen mit der Sonderausstellung wird die nach aktuellen konservatorischen Erfordernissen adaptierte Schatz- und Paramentenkammer des St. Pöltner Domes eröffnet. Sie wird als Schaudepot im Rahmen von Führungen zugänglich sein. Der Schwerpunkt liegt bei höchst qualitätvoller barocker Paramentik und sakraler Goldschmiedekunst.

 

GABEN AN DIE GÖTTER - BRONZEZEITLICHE DEPONIERUNGEN AUS GOBELSBURG

Im Zuge von Baumaßnahmen entdeckte man am südöstlichen Ortsrand von Gobelsburg bei Langenlois (Niederösterreich) eine unbekannte archäologische Fundstätte. Der Verein ASINOE (Archäologisch-Soziale Initiative Niederösterreich) untersuchte 2010 den ur- und frühgeschichtlichen Siedlungsplatz. Funde und Fundumstände gewähren Einblicke in den Alltag der dort lebenden Gemeinschaften von der Jungsteinzeit bis in die Zeit der Völkerwanderung (ca. 5300 v. Chr. - 6. Jahrhundert n. Chr.). Außergewöhnliche Befunde lassen Rückschlüsse auf damalige kultisch-religiöse Vorstellungen und rituelle Praktiken zu.
Metall als Gabe an die Götter?
17 Ringbarren aus Bronze wurden zu Bündeln geschnürt in einer Grube niedergelegt. Solche Deponierungen von Ringbarren finden sich in ganz Mitteleuropa häufig und datieren in die Frühbronzezeit (2200-1600 v. Chr.). Ihre Arrangements, die definierten Metallformen, die normierten Gewichtsanteile und die Stückanzahl lassen nicht bloß verwahrte Metallgüter vermuten, sondern sprechen für rituelle Deponierungen als "Gaben an die Götter". Die räumlich und zeitlich beschränkte Niederlegung unterstützt diese Hypothese. Dem Boden teilweise große Metallmengen zu übergeben, bedeutete für die opfernde Person oder Personengruppe einerseits einen erheblichen und dauerhaften ökonomischen Verlust, jedoch andererseits auch einen Gewinn an Status und Prestige.
Feste feiern - ein "Symposion"
Die mehrfache Präsenz tönerner Geschirrsets aus der Mittel- und Spätbronzezeit (15.-12. Jahrhunder v. Chr.) auf einer einzigen Fundstelle in Gobelsburg verdient besondere Beachtung. In einigen Gruben wurden Keramikensembles bewusst vorwiegend auf der Grubensohle deponiert. In einer Grube waren rund 40 Tassen um ein besonders großes Gefäß herum arrangiert; in einer weiteren standen fünf Töpfe halbkreisförmig um einen Beutel oder einen Sack mit zerschlagenen Tassen. Ein anderes Ensemble besteht aus 14 Tassen, die paarweise - jeweils eine große und eine kleine Tasse - bevorzugt am Grubenrand niedergelegt worden waren. Durch die glänzende Politur der Gefäßoberflächen wurden wertvolle Metallgefäße imitiert.
Die Arrangements verweisen auf inszenierte rituelle Handlungen beim Akt der Niederlegung. Teilweise scheinen die Gefäße beabsichtigt entleert, teilweise hingegen befüllt gewesen zu sein. Die Kombination von Misch- und Schöpfgefäßen wird mit Speise- oder Trinkgelagen (sog. Symposien) assoziiert. In der Bronzezeit wurden die anlässlich solcher "Feste" benutzten Gefäße jedoch im Anschluss dauerhaft dem Boden übergeben. Sie hatten durch ihren Einsatz als Misch- und Trankgefäße ihre Funktion erfüllt, durften künftig nicht mehr benützt werden und wurden als "ritueller Abfall" deponiert. Einige Befunde sprechen für befüllte Gefäße als unwiederbringlich letzte "Gabe".

 

MÜNZGELD - BRONZE - MÜNZKUNST

Sonderausstellung 2014 | Copyright: Dr. Walter HonischBronze ist heutzutage zwar nicht mehr das häufigste Münzmetall, war aber früher neben Gold und Silber das Material, aus dem Geld wurde. Waren im Westen die frühesten Münzen aus Edelmetall, wohl in erster Linie als Wertbewahrung gedacht, verwendeten die Chinesen sogenanntes Gerätegeld in Form kleiner Messer und Spaten und erinnerten so noch an die Ursprünge des Tauschhandels. Etwa in dem Sinne: Tausche Huhn gegen Spaten.
Bronze als Münzmetall wurd erst mit zunehmender Abkehr vom Tauschhandel ab etwa 450 v. Chr. üblich und bleibt nun fast 1000 Jahre bevorzugtes Material für Münzen des täglichen Geldverkehrs.
Mit dem Zerfall des römischen Kaiserreichs und der Gründung germanischer Reiche verliert der Geldumlauf wieder zugunsten des Tauschhandels, der nie ganz abgekommen war, und gewinnt zunehmend an Bedeutung. Für etliche Jahrhunderte fand der Handel mit kleinen Silbermünzen den Pfennigen (im Gewicht von etwa 1,2 Gramm), sein Auslangen. Daher sind größere Summen oft nicht gezählt, sondern gewogen worden.
Erst im 13. Jahrhundert, mit dem Erstarken der Städte, der beginnenden Unabhängigkeit des städtischen Bürgertums und mit dem sich rasch ausbreitenden Fernhandel entsteht der Bedarf nach Münzen mit höheren Werten; daher kommt es jetzt in Italien zur Ausprägung von Münzen in Gold. So prägt Friedrich II. von Hohenstaufen in Sizilien 1231 den Augustalis, Florenz den Goldgulden 1252 und Venedig den Dukaten 1282. Etwa um diese Zeit berichtet Marco Polo schon, 1276 in China Papiergeld gesehen zu haben.
So dauert es in Österreich nun wieder fast 400 Jahre bis unter Maria Theresia Bronze als Metall für Kleingeld eingeführt wurde. In Krisenzeiten verschwindet Bronze im Geldverkehr und wird durch Nickel und Eisen ersetzt. Mit Fortschreiten der metallurgischen Kenntnisse werden moderne Legierungen und Mehrschichtwerkstoffe zum üblichen Münzmetall.
Für die Medaille (die künstlerische Schwester der Münze) hingegen ist Bronze zu allen Zeiten das bevorzugte Material. Die italienischen Fürsten der Renaissance waren die ersten, die sich des neuen Mediums der Medaille zur Darstellung ihrer Individualität bedienten. Die europäischen Fürstenhäuser machen die Medaille immer mehr zu einem Werkzeug der politischen Propaganda. Die meist aus Silber gefertigten Stücke blieben einem engen Empfängerkreis vorbehalten. Mit dem Aufbau einer eigenen Medaillenfabrikation (besonders in Augsburg und Nürnberg) konnten deutlich mehr Personen erreicht werden. Zinnmedaillen und solche aus Bronze werden damit zu einem Massenmedium.
Bis in die Gegenwart bleibt die Bronzemedaille das geeignete Medium, besondere Personen und Erzeugnisse in dauerndem Erz darzustellen.

 

JOSEF COLZ - BRONZESKULPTUREN

Sonderausstellung 2014 | Copyright: Josef Colz

Der Intention früher archaischer Kunst ähnlich, vermögen die in klassischer Gusstechnik ausgeführten Bronzeskulpturen von Josef Colz (geb. 1952 in Wengen, Südtirol) eine Aura des Geistig-Spirituellen und Ethischen zu schaffen. So stellen sie analog zu frühen Manifestationen des Bildnerischen über Jahrtausende hinweg den Anschluss an eine auf das Wesentliche konzentrierte, zeitlos wirkende Bildlichkeit her.
Trotz ihrer durch das Material bedingten Schwere und des durchwegs angewendeten statischen Prinzips vermitteln die Plastiken eine subtile organische Lebendigkeit. Trotz der strengen, auf konstanten, kunstimmanenten Werten basierenden Form wird eine in rhythmischer Bewegung befindliche Leichtigkeit des menschlichen Körpers suggeriert. Drehung und Spirale verleihen den Figuren tänzerische, arkadisch anmutende Eleganz. Dem Licht kommt dabei eine besondere, die Wirkung steigernde Bedeutung zu und gibt der Phantasie Raum, womit dem Betrachter keine Interpretation aufgezwungen wird. Durch die Vermeidung der Verabsolutierung formaler Prinzipien werden mittels behutsamer Andeutungen ästhetische Kontemplationen möglich und bildnerische Nuancen erfahrbar.
Josef Colz beherrscht die Technik, er verfügt über ein feines Gespür für das Material und eine ausgeprägte Unbeirrbarkeit für künstlerische Werte. Vielleicht ist diese Affinität zu den frühen Bronzegießern Grund dafür, dass eine Figur "Ptah" benannt ist, wohl eine Hommage an den ägyptischen Schutzgott der Künstler und Bronzehandwerker. Die Herkunft aus den ladinischen Alpen mit ihrer großen, nach wie vor lebendigen bildhauerischen Tradition bewirkte wohl die frische, geradlinige und konsequente Herangehensweise. Die Jahre an der Wiener Akademie bei Fritz Wotruba und Joannis Avramidis vermittelten neben einer soliden handwerklichen auch eine theoretische und humanistische Grundlage. Doch ist die eigentliche Quelle dieser mit den Mitteln der plastischen Kunst realisierten Geschöpfe die Verbindung von kreativer Energie mit Direktheit und Disziplin der bildnerischen Arbeit. In einer Zeit der vielfach überbewerteten saisonalen Strömungen und des heutigen Kunstbetriebes stehen die von Harmonie, Ruhe und Idealisierung gekennzeichneten Figuren wie davon unberührte, auf ihre Umwelt positiv einwirkende geistige Sonden.
Harmonie, einfühlsamer Bezug auf den sakralen Umraum und verhaltene Spiritualität zeichnen auch die von Josef Colz ausgeführten Altarraumgestaltungen aus, von denen bislang zwei im Bereich der Diözese St. Pölten realisiert wurden.