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PASSIO - neue Ausstellung ab 6. April

Ab Samstag, 6. April 2019, ist das Diözesanmuseum St. Pölten wieder geöffnet. Gezeigt wird die Ausstellung "passio", die sich mit der Leidensgeschichte Jesu aus künstlerischer Sicht auseinandersetzt. Mit Exponaten von der Gotik bis zur Gegenwart wird ein breiter Bogen über viele Jahrhunderte Kunstgeschichte gespannt - das zentrale Thema der Passion Christi ist dabei das verbindende Element.<--break-> Die Ausstellung läuft bis 8. Juni 2019.

Die Leidensgeschichte und der Sieg Christi über den Tod wurden in der christlichen Kunst ab dem 4. Jahrhundert szenen- und inhaltsreich dargestellt. Ihre Darstellungen basieren auf den vier Evangelien und den apostolischen Briefen, in denen der Leidensweg Jesu als Erfüllung des im Alten Testament festgeschriebenen göttlichen Willens verstanden wird. Zahlreiche Bezüge und Zitate aus dem Alten Bund lassen den gehorsamen Tod Jesu als Vollendung des großen Heilswerks erscheinen, in dem sich die Souveränität des Gottessohnes gegenüber dem Leiden offenbart. Die als Einheit verstandene Botschaft von Tod und Auferstehung ist gemäß frühchristlicher Theologie zentrale Aussage der Verkündigung. Christi Sterben ist Sühnopfer für die Schuld der Menschheit, gleichzeitig führt der Sieg über Tod und Satan zu Erhöhung und Verherrlichung, das Kreuz wird zum Zeichen des Triumphes. Von Beginn an wurde die Passion auch unter dem Aspekt der Nachfolge und Gemeinschaft gesehen, die im Vollzug des Glaubens und der Eucharistie praktiziert wird. Die sakramentale Auffassung des Opfertodes war für das spätere Mittelalter und seine bildlichen Darstellungen bestimmend. Bereits in frühchristlicher Zeit richtete sich die fromme Betrachtung auf den Leidensweg selbst, als man in Jerusalem an den historischen Stätten das Gedächtnis des Leidens Christi liturgisch beging und sich vor allem im Osten die Frömmigkeit mehr der Passion und dem Opfertod Christi zuwandte. Dieses kontemplative Verständnis leitete auch den Historisierungsprozess und die Veranschaulichung des Passionsgeschehens ein, die im Mittelalter sowohl in Theologie und Volksfrömmigkeit als auch in bildlichen Darstellungen und dramatischen Aufführungen, wie den Passions- und Osterspielen, ihren Höhepunkt fanden. Dabei wurden die biblischen Geschehnisse persönlichen Betrachtungen unterzogen, die Vorgänge werden wirklichkeitsnah vorgestellt, um zur seelischen Aneignung und zur compassio, der Teilnahme und dem Mitleiden, anzuregen. Nach Wiederaufnahme der Passionsthemen in der Kunst der Gegenreformation wurde die Meditation des Leidens Christi in kirchlichen Andachten – wie bei den um 1700 auch im Kircheninneren angebrachten Kreuzwegstationen oder den in der Karwoche aufgestellten Heiligen Gräbern – gehalten. Von den traditionellen Passionsthemen wurden besonders diejenigen, in denen der Ausdruck des Schmerzes – wie beim Ecce Homo, der Kreuztragung, der Beweinung oder der Pietà – gesteigert wird, dargestellt.

Die - vom Einzug Christi in Jerusalem bis zur Grablegung bzw. Auferstehung reichenden - Bildthemen wurden mit Motiven aus apokryphen Schriften und Legenden vermehrt, die in Form des Andachtsbildes das Passionsgeschehen in unmittelbare Beziehung zum Gläubigen brachten. So wurden Szenen der Leidensgeschichte sowie Personen, die Jesus am Kreuzweg begegneten und Anteil an seinem Leiden nahmen, zu eigenen Bildthemen, wie die Begegnung mit seiner Mutter oder das in Zusammenhang mit der Veronika-Legende stehende Vera Ikon. Für das spätere Mittelalter wurde der Schmerzensmann die Zusammenfassung der Leiden schlechthin und als imago pietatis oder Erbärmedebild das überhistorische Bildnis des für die Erlösung der Menschheit geopferten eucharistischen Christus. Eine bemerkenswerte lebensgroße Tonplastik des Schmerzensmannes von der Mitte des 14. Jahrhunderts ist in der Ausstellung zu sehen.

Exponate aus zahlreichen Jahrhunderten

Die Passionsthemen werden an Hand zahlreicher, vom 14. bis ins 21. Jahrhundert stammender Objekte vorgestellt. Mittels eines durch die Museumsräume führenden Leitfadens werden die diesbezüglichen Museumsbestände aus der ständigen Ausstellung und des Depots präsentiert. Mit einem Heiligen Grab und Fastenkrippen werden auch Objekte des auf die Volksfrömmigkeit wirkenden kirchlichen Brauchtums in die Ausstellung einbezogen.

Zeitgenössische Formulierungen stammen von Oskar Höfinger, Ildikó Koller, Edith Mostböck-Huber, Sieghard Pohl und Karel Rechlík. Die meist auf das Wesentliche reduzierten Motive werden figurativ-gegenständlich oder abstrahiert, also gegenständlich nicht näher definiert, vorgetragen. Formale Struktur und BedeutungsgehaIt gehen eine Symbiose ein, um dem Leiden Christi Evidenz und Gültigkeit zu verschaffen sowie den in der Anschauung sich offenbarenden Sinn bewusst zu machen.

Im wieder eingerichteten Paramentenraum werden Pretiosen der Textilsammlung sowie ein auf die Leidensthematik bezogener, mit Passionsmotiven ausgestatteter Trauerornat aus dem St. Pöltner Domschatz ausgestellt.

 

passio
6. April - 8. Juni 2019
Dienstag, Mittwoch, Freitag 9-12 Uhr, 13-15 Uhr
Donnerstag 9-12 Uhr, 13-17 Uhr
Samstag 10-13 Uhr
geschlossen: montags, sonntags sowie 19.4. (Karfreitag), 1.5., 30.5. (Christi Himmelfahrt)

Führungen nach Vereinbarung.