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Kunstwerk der Woche: Gruhlicher Kastenkrippe

Grulich-Krippen

Die aktuelle Weihnachtsausstellung ist noch bis zum 2. Februar geöffnet und nähert sich somit mit großen Schritten ihrem Ende! Aus diesem Grund widmet sich das "Kunstwerk der Woche" nun ein letztes Mal einem Krippenthema, und zwar den berühmten Krippen aus dem tschechischen Ort Gruhlich.

Das im Nordosten Böhmens zwischen Adler- und Altvatergebirge an einem alten Handelsweg gelegene „Grulicher Ländchen“ weist eine ausgeprägte Krippen- und Schnitztradition auf und gehört zu einer einst größeren Krippenlandschaft des Schlesischen Mittelgebirges. Um das Städtchen Grulich (heute Králíky) lebten die Bewohner vorwiegend vom Holzreichtum der Wälder und der damit verbundenen Holzverarbeitung. In der arbeitsfreien Zeit entwickelten sich ab dem 18. Jahrhundert der Krippenbau und eine beachtliche Holzschnitzerei, deren Absatz durch die nahen Handelsstraßen erleichtert und durch die Gründung einer Holzfachschule im Jahr 1873 gefördert wurde. Im Spannungsfeld von katholischer und protestantischer Kirche sowie im Einflussbereich von deutschem und slawischem Brauchtum konstituierte sich eine einheitliche Krippenlandschaft, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Grulich zu einem Zentrum der Massenproduktion werden ließ. Für die „Grulicher Figuren“ charakteristisch sind die eckigen, kantigen Köpfe mit weißlich-rosafarbenen Gesichtern, die rundlichen Arme und die glatten Standbretter. Die Schafe tragen meist ein aufgemaltes buntes Halsband.

Ein weiteres Merkmal der böhmischen und auch der Grulicher Krippen ist die Gestaltung der Krippenberge, die einen Großteil der Krippe einnehmen und in mehreren Zonen angeordnet sind. Auf der untersten Ebene sind zumeist der Stall und die Hirten mit ihren Schafen sowie die meist aus dem Volksleben stammenden gabenbringenden Figuren angeordnet. Dabei haben sich bestimmte Symbolfiguren herausgebildet, die sich auch in anderen Krippenregionen finden. Ein typisches Kennzeichen der Krippenberge sind ihre reich ausgebildeten Stadtlandschaften. Kulissenartig und mehrzonig aufgebaut beherrschen sie die Szenerie. Es gibt Krippenberge mit orientalischer, fantastischer Architektur, häufiger jedoch an böhmische Städte gemahnende Veduten. Der stufenförmige, bühnenartige Aufbau bot Platz für volkstümliche und biblische, im Zusammenhang mit Weihnachten stehende Szenen. Dadurch wurde die vielfigurige Komposition zu einer Art Krippentheater. Für die Herstellung wurde nicht nur Holz, sondern auch selbsterzeugte Papiermasse (Pappmaché) verwendet, die sich sehr gut zum Modellieren der fantasiereichen Kulissen eignete. Auch die wesentlich kleineren Kastenkrippen sind nach dem gleichen Prinzip gestaltet und stellen Krippenberge im Kleinformat dar. Als Eckkrippen werden sie wohl ursprünglich für den Herrgottswinkel in kleineren Räumen geschaffen worden sein, während große Krippenberge viel mehr Platz beanspruchten.

Grulich-Krippen und vor allem Grulich-Figuren wurden in großer Zahl exportiert und gelangten bis nach Westeuropa und Amerika. Für den Export in den Wiener Raum sorgte die Wiener Spielwarenfirma Kober. Die Figuren wurden von Heimarbeitern oder den Eigentümern selbst zu Kleinkrippen zusammengestellt.

Religiöse Bedeutung erlangte Grulich durch den Bau einer Wallfahrtskirche mit angeschlossenem Kloster durch den Königgrätzer Bischof Tobias Johannes Becker. Die Anlage wurde um 1700 mit Unterstützung der Grafen Althann oberhalb des Ortes in der Nähe einer wundertätigen Quelle errichtet. Der „Muttergottesberg“ mit seiner markanten vieltürmigen Silhouette – wie auf dem Druck von 1991 dargestellt – wurde ein wichtiges religiöses Zentrum und stellt das bedeutendste barocke Denkmal der Region dar.

"Von Verkündigung bis Lichtmess – Weihnachtliche Motive und Krippen im Diözesanmuseum St. Pölten"
26. 11. 2016 - 02. 02. 2017
Di-Fr 9-12Uhr, 13-15 Uhr, Sa, So, Feiertag 10-15 Uhr
geschlossen am 24.12., 25.12., 31.12., 01.01.
zusätzlich geöffnet am 26. Dezember 2016