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Kunstwerk der Woche: Sakramentsfähnlein

Sakramentsfähnlein, um 1770

Zweilagiger Seidendamast, Stickereien in Gold- und Silberstickerei in Sprengarbeit und Legetechnik, Originalzustand

Ein großer Teil der Sonderausstellung 2016 ist den liturgischen Textilien gewidmet. Neben Messgewändern im engeren Sinn zählen dazu im weiteren Sinn auch Fahnen. Ihnen ist das aktuelle „Kunstwerk der Woche“ gewidmet.

Für das kirchliche Geschehen und seine Ausgestaltung haben Fahnen eine große Bedeutung. Im Rahmen von kirchlichen Festen (Wallfahrten, Prozessionen oder Umzügen) sind sie wesentlicher Bestandteil. Viele Vereinigungen wie Bruderschaften, Zünfte und die ab dem 19. Jh. vermehrt aufkommenden Vereine haben eigene Fahnen; sie repräsentieren dabei einerseits den/die zu feiernden Heilige/n, andererseits den Stolz ihrer Inhaber und Träger.

Grundsätzlich kann zwischen zwei Fahnentypen unterschieden werden: Standartenfahnen (auf einer Seite fix mit Stoff verbunden) und Banner (zwei von Stoff umspannte Stangen). Die typische Kirchenfahne hängt an einem Querholz, das an einer Stange mittels „Fahnenwaage“ aus Metall angebracht ist. Den Fahnenaufsatz bildet ein sogenannter Fahnenspitz, bei Kirchenfahnen meist ein (Metall-)Kreuz. Sehr große Fahnen werden von mehreren Personen getragen – diese sogenannten „Beiträger“ helfen mit eigenen schrägen Stangen beim Hantieren der schweren Textilien.

Die sogenannten „Sakramentsfähnlein“ stellen einen eigenen Fahnentypus dar, sie werden bei Prozessionszügen entlang des Weges aufgestellt. Das vorgestellte Exemplar ist Teil einer Serie bestehend aus insgesamt sechs kleinen Fähnchen aus der Zeit um 1770. Sie wurden für das Fronleichnamsfest im St. Pöltner Dom verwendet und sind beidseitig gestaltet. Auf rotem, zweilagigem Seidendamast sind mit Gold- und Silberfädenstickerei in Spreng- und Legetechnik verschiedene eucharistische Symbole zu sehen. Es handelt sich dabei um Zitate aus dem Fronleichnamshymnus mit Aufschriften in lat. Majuskeln, die von Seidenfransen eingerahmt werden.