Banner Diözesanmuseum
 
 

Kunstwerk der Woche: Madonna der Karmelitinnen

Madonna der Karmelitinnen
gefasstes Holz, textile Bekleidung, Kronen und Szepter aus Messing, Baldachinaufbau aus gefasstem Holz

Anlässlich des Gedenktages der hl. Teresa von Avila (1515–1582) – der wohl bekanntesten Angehörigen des Ordens der Karmelitinnen – am 15. Oktober widmet sich das aktuelle Kunstwerk der Woche einer Mariendarstellung, die eng mit dem Orden der Karmelitinnen verbunden ist.

Die als bekleidete Gliederpuppe ausgeführte Madonna sitzt auf einem Armlehnsessel, hält mit der Linken das ebenfalls bekleidete Jesuskind und in der Rechten das Szepter. Sowohl die Madonna als auch das Jesuskind sind gekrönt, womit sie den Typus der Maria Himmelskönigin vorstellt.

Sie sitzt in einem halbrunden offenen Baldachinaufbau, der aus vier quadratischen Pilastern gebildet wird und über dem Gebälk in einer aus vier c-förmigen Voluten zusammengeführten Kalotte abschließt. Der ganze Baldachin ist, angefangen von der geschwungenen Bodenplatte, über die Basen, die laternenförmig gestalteten Kapitelle und die geschweiften Kalottenbögen in einer qualitätvollen Rokokoschnitzerei ausgeführt. Außerdem sind links und rechts an der Bodenplatte zweiarmige geschweifte Leuchter angesetzt, zwischen den Kapitellen hängen Blatt- und Blütengirlanden, im mittleren Feld der Kalotte ist eine offene Muschelkartusche angebracht und der Baldachin wird noch von einer schwungvoll geformten und vergoldeten Ziervase bekrönt.

Die Madonna gelangte 1782 aus dem aufgehobenen Karmelitinnenkloster in das Institut der Englischen Fräulein. Nähere Details zu ihrer Entstehung sind ebenso unbekannt wie ihr ursprünglicher Standort bei den Karmelitinnen. Aufgrund der Größe ist wohl ein fixer Standort anzunehmen und die Möglichkeit, dass es sich um eine Prozessionsfigur handelt, eher auszuschließen.

Unbekannt ist bis dato auch der Künstler dieser qualitätvollen Skulptur samt Baldachin. Wenn man annimmt, dass es sich nicht um ein Importstück handelt, sondern dass sie in St. Pölten entstanden ist, dann kommt am ehesten der Bildhauer Andreas Gruber (gest. 1783) in Betracht. Die leichte und elegante Rokokoschnitzerei lässt freilich auch an einen Bildhauer wie Johann Joseph Resler (1702–1772) denken.

2006 kam die Figur mit einer Vielzahl anderer künstlerisch hochwertiger Exponate als Dauerleihgabe der Englischen Fräulein in das St. Pöltner Diözesanmuseum, wo sie im sogenannten „Bischöflichen Oratorium“ im Rahmen von Führungen besichtigt werden kann.