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Kunstwerk der Woche: Lederkasel

Lederkasel mit Zubehör, um 1700
Goldleder aus einem (!) durchgehenden Stück gefertigt, vorpunziert, ganzflächig
vergoldet und versilbert bzw. Imitation des Goldtones durch braunen Firnis auf Silber
Ölfarbe in Lasuren
ehemals Filialkirche St. Veit, Pfarre Neuhofen an der Ybbs

Diese Lederkasel aus der Filialkirche St. Veit wurde laut Schenkungsvertrag vom 28. April 1890 auf Initiative des Museumsgründers Johannes Fahrngruber dem Diözesanmuseum übergeben. Mit insgesamt 14 Lederkasel hat das Museum den – soweit bekannt – größten Bestand an derartigen Kaseln. Weitere Lederkaseln besitzen noch die Stifte Göttweig, Herzogenburg, Klosterneuburg, Kremsmünster und Wilhering.

Die relative Dichte von so eng verwandten Kaseln im Raum Wien und Niederösterreich legt die Vermutung nahe, dass es sich um heimische Arbeiten aus einer leistungsfähigen Werkstatt mit serienmäßiger Erzeugung (Schablonen) gehandelt hat. Ein Import aus Italien kann aber nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Leder wurde als Ersatzmaterial verwendet, da die heimische Stoffproduktion nach den Wirren des 30-jährigen Krieges (1618–1648) und der nachfolgenden wirtschaftlichen Regression zum Erliegen gekommen war. In Form, Aussehen und Materialeindruck sollten die Kaseln dennoch sehr nahe an dem stofflichen Vorbild bleiben und zeugen heute von der Geschicklichkeit und Kunstfertigkeit dieser Epoche. Sie waren nicht nur in der Anschaffung im Vergleich zu Stoff weitaus billiger, Leder war auch leichter verfügbar und fand auch für andere liturgische Textilien – wie den hier präsentierten Messbuchpolster – Verwendung. Aufgrund ihres Materials und ihrer bunten Farbigkeit wurden die Lederkaseln im 19. Jh. vom liturgischen Gebrauch ausgeschlossen. Fahrngrubers Weitsicht ist es zu verdanken, dass er schon zu dieser Zeit den musealen Wert dieser Objekte erkannte und sie somit vor der Zerstörung retten konnte.