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Kunstwerk der Woche: Kabinettschrank

Kabinettschrank
Birnenholz und Pappelwurzelmaser, Pietra-Dura-Einlegearbeit, Alabastersäulchen, vergoldete Basen und Kapitelle, Messingbeschläge
Vermutlich Florenz, 3. Viertel 17. Jh.

 

Das aktuelle „Kunstwerk der Woche“ ist ein kostbarer Schrank mit höchst qualitätvollen Pietra-Dura-Einlegearbeiten. Der Schrank befindet sich im Besitz der Englischen Fräulein, wurde allerdings dem Diözesanmuseum zur Verwahrung übergeben. Laut Überlieferung soll der Schrank ein Geschenk Daniel Grans anlässlich des Eintrittes seiner Tochter Anna in das Institut der Englischen Fräulein (1745) gewesen sein soll.

Der breite rechteckige Kabinettschrank ruht auf flachgedrückten Kugelfüßen, wobei die vorderen unter die Säulenpostamente gesetzt sind. Die als Schaufront gestaltete Vorderseite weist eine reiche architektonische Gliederung auf. Vier Säulen, von denen die äußeren übers Eck gestellt sind, unterteilen die Front in drei Felder, wobei die seitlichen einander entsprechen und jeweils viergeschoßig mit Doppelkassetten ausgestattet sind. Die Säulen selbst stehen auf hohen Postamenten und tragen ein doppeltes Gesims mit abschließender Balustrade.

Der hervorgehobene Mittelteil zeigt über dem mit zwei etwas breiteren Kassetten versehenen Sockelgeschoss eine Tür, die in Form eines Säulenportikus mit zwei Alabastersäulchen und flachem Giebel gestaltet ist. Die Mitte dieses Portikus ist durch eine Pietradura hervorgehoben und stellt einen auf einem Baum sitzenden Vogel in einer Rechteckrahmung dar. Alle 18 Schubladenkassetten zeigen gleichfalls ein querrechteckig gerahmtes Pietradurafeld mit einem bunten Vogel, der auf einem Zweig sitzt. Die jeweils mit schwarzen Wellleisten gerahmten Motive und die ins Rötlichbraun gebeizte Wurzelmaserfurnier, die einer Schildplattfurnier sehr ähnlich ist, vermittelt einen entsprechend kostbaren und effektvollen Eindruck.

Diese Art von Kabinettschränken mit Pietra-Dura-Einlagen war eine Spezialität der großherzoglichen Hofwerkstatt in Florenz, sodass eine solche Zuordnung auch für diesen Schrank der Englischen Fräulein am wahrscheinlichsten ist. Ein gut vergleichbarer Schrank mit sehr verwandten Vogelmotiven befindet sich im Museum Castello del Buonconsiglio in Trient.

 

(aus: Johann Kronbichler (Hg.), „Erbe und Auftrag. Das Institut der Englischen Fäulein in St. Pölten 1706–2006, Ausstellungskatalog Diözesanmuseum St. Pölten, St. Pölten 2006, S. 172–173.“)