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Kunstwerk der Woche: Heiliger Hippolyt

Hippolyt von Rom
um 1500
Holz, bunt gefasst und vergoldet

Am 13. August feiert die katholische Kirche den Gedenktag des hl. Hippolyt. Er ist der Patron der Diözese und der Landeshauptstadt St. Pölten – aus diesem Anlass stellen wir ihn diese Woche etwas näher vor.

Die Identität dieses Heiligen, dessen verkürzte Namensform für die Diözese und die Stadt St. Pölten bezeichnend wurde (Pölten ist eine Abwandlung des namens Hippolyt), lässt sich nicht eindeutig klären, da in den Heiligenviten biographische Elemente tatsächlicher und legendenhafter Personen kombiniert und durch sagenhafte Zusätze erweitert wurden.

 

Ausgangspunkt ist jedenfalls ein Presbyter Hippolytus, der unter der Christenverfolgung des Kaisers Maximinus Thrax 235 mit dem damaligen Papst Pontianus nach Sardinien verbannt wurde und dort verstorben ist. Tatsächlich ist ein äußerst fruchtbarer Kirchenschriftsteller Hippolytus im ersten Drittel des 3. Jahrhunderts belegt, der als einer der wichtigsten westlichen Kirchenlehrer seiner Zeit gilt.

Schon früh wurden Beziehungen zum gleichnamigen Helden Hippolytos der griechischen Mythologie hergestellt: Der Sohn des Theseus, dessen Name man mit Pferdelöser übersetzten könnte, wurde von vier Pferden zu Tode geschleift.

In Anlehnung daran entstand etwas später die sogenannte „Offizierslegende“, die die Darstellung des Heiligen entscheidend geprägt hat: Darin ist sein Schicksal eng mit dem des hl. Laurentius, der 258 das Martyrium erlitt, verbunden – vermutlich weil beide im gleichen Friedhof an der Via Tiburtina in Rom beigesetzt wurden. Gemäß dieser Legende bewachte der Soldat Hippolyt den Diakon Laurentius, wurde von ihm bekehrt und bestattete dessen Leichnam. Deswegen zum Tode verurteilt, erlitt er zusammen mit seinen ebenfalls zum Christentum übergetretenen Angehörigen an einem 13. August in Rom das Martyrium, indem er von vier ungebändigten Pferden zu Tode geschleift wurde. Vermutlich hat der antike Mythos – wie die Namensgleichheit nahelegt – in der christlichen Legende fortgewirkt.

Im Namen Hippolytus ist das griechische Wort „hippos“ (Pferd) enthalten, was dazu beitrug, dass Hippolyt zum Patron der Pferdehalter und wegen seines Wachdienstes zum Patron der Gefängniswärter wurde. In den meisten bildlichen Überlieferungen wird der Heilige als junger Ritter, als „Soldat Christi“ mit Panzer, Mantel, Helm und Schild, gelegentlich auch mit einem Pferd dargestellt. Auf dem Schild oder der Lanzenfahne befindet sich der Anfangsbuchstabe der griechischen Schreibweise, das Y. Für die heraldischen Attribute der Diözese St. Pölten wurde dies vorbildlich.

Die 88 cm hohe Lindenholzfigur stellt Hippolyt als jugendlichen Ritter mit Panzer, Mantel und Barett dar, dem als Attribut ein Pferd beigegeben ist. Die Lanze, die er vermutlich in seiner Linken hielt, fehlt.

Stilistische Erwägungen legen eine Entstehung in Thüringen um 1500 nahe – der hohe Sockel ist charakteristisch für die Thüringer Altarplastik der Spätgotik, wofür auch die schlanken Proportionen und die bewegten Konturen sprechen.

Die Statue wurde vom Land Niederösterreich erworben und dem Diözesanmuseum St. Pölten anlässlich des 75. Geburtstages von Bischof DDr. Klaus Küng als Leihgabe zur Verfügung gestellt.