Banner Diözesanmuseum
 
 

Kunstwerk der Woche: Doppelmadonna

Doppelmadonna
Holz, aus einem Stück geschnitzt, Fassungsreste, 1. Hälfte 17. Jh.

Das „Kunstwerk der Woche“ stellt auch diesmal ein Objekt der aktuellen Sonderausstellung „Kirche und K… – Sakrale Ausstattungen zwischen Kult und Kunst“ vor: die beeindruckende Statue des Typus einer „Doppelmadonna“.

Die Doppelmadonna ist ein Madonnentypus, der durch die thematisch und formal gleichwertige Gestaltung der Vorder- und Rückseite gekennzeichnet ist. Entweder ist sie aus einem Block gearbeitet oder aus zwei – annähernd identischen – Hälften zusammengesetzt. Sie ist zur freiplastischen Aufstellung und vielfach zur Hängung in den Kirchenräumen zwischen Langhaus und Chor/Presbyterium bestimmt. Vor allem im Spätmittelalter ist dieser Typus beliebt. Prominente Beispiele sind die Doppelmadonnen von Tilman Riemenschneider um 1514 im Mainfränkischen Museum in Würzburg und die im Paderborner Dom, deren Hängung im Mittelschiff wohl der Entstehungszeit um 1480 entspricht.

Die Doppelfigur blickt in zwei Richtungen, zum Altar und zum Eingang, sie wird von diesen Richtungen gesehen und dient als Wegweisung hinein und hinaus. In der Diözese St. Pölten sind mit den Doppelmadonnen von Kleinhain und Ulrichschlag (Gemeinde Gutenbrunn, polit. Bezirk Zwettl) zwei bemerkenswerte spätgotische Exemplare vom Anfang des 16. Jhs. erhalten. Ab dem 17. Jh. wurden solche Figuren auch an Wegkreuzungen oder in Wegkapellen postiert, um den Wanderern die Richtung zu weisen. Wie die Verwitterungsspuren zeigen, war wohl auch diese Figur ehemals im Freien aufgestellt.