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Kunstwerk der Woche: Christus mit Kelch

Christus mit Kelch, vermutlich alpenländisch (Südtirol?), Ende 17. Jh.

Zirbenholz, farbig gefasst

Ein zentrales Objekt der diesjährigen Sonderausstellung ist der „Christus mit dem Kelch“. Aufgrund der thematischen Verschränkung mit dem Fest von Fronleichnam ist die Figur diesmal unser "Kunstwerk der Woche".

Die Verehrung des Blutes Christi hat eine lange Tradition und ist mit der in den Evangelien überlieferten Bekehrung des römischen Hauptmanns Longinus unter dem Kreuz verbunden. Darüber hinaus berichtet die Legende, dass das vom Kreuz tropfende Blut Christi von Josef von Arimathäa aufgefangen und dadurch für die kultische Verehrung, für sogenannte Heilig-Blut-Reliquien sowie für weitere Legendenbildungen maßgeblich wurde. Sie bildet die Grundlage für zahlreiche, vor allem im Mittelalter entstandene Blutwunder und Heilig-Blut-Kulte, wie sie in der Gralserzählung enthalten sind.

Darstellungen der zweiten eucharistischen Gestalt, des Blutes Christi, finden ihre Legitimation ebenfalls in den Einsetzungsberichten, die in das eucharistischen Hochgebet aufgenommen wurden: „Das ist der Kelch des neuen und ewigen Bundes, mein Blut das für euch und alle vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Tut dies zu meinem Gedächtnis".

 

 

Der Kelch ist Symbol der Opferbereitschaft Christi und der Liebe Gottes zu den Menschen. Diesem Verständnis gemäß konnte der Kelch am Ölberg nicht vorübergehen, sondern spendete aus des Engels Hand Kraft und Trost.

Die Verehrung des Blutes Christi hat eine lange Tradition. Sie basiert sie auf den Abendmahlsereignissen und auf dem im Johannes-Evangelium bezeugten Abschluss der Passion: „ ... einer der Soldaten stieß mit der Lanze in seine Seite, und zugleich floss Blut und Wasser heraus“ (Joh 19, 34). Taufe (Wasser) und Eucharistie (Blut) entspringen dem durchbohrten Herzen Jesu, das zum lebendigen und heilenden Quell geworden ist.

Diese Symbolik ist für die hier gezeigte, großformatige, vom Ende des 17. Jahrhunderts stammende Holzskulptur Christus mit dem Kelch oder Eucharistischer Christus  bestimmend. Der Heiland, nur mit dem roten Mantel bekleidet, weist mit der Linken auf die – nicht sichtbare - Seitenwunde und hält einen großen Kelch zum Auffangen des Blutes darunter.

Bemerkenswert ist, dass sich die im Inneren hohle Figur rückseitig mit einem Türchen öffnen lässt. Von innen eingesetzte Pfropfen lassen vermuten, dass die anscheinend ursprünglich offene Seitenwunde später geschlossen wurde. Auch an den Händen und Füßen sind später geschlossene und an der Oberfläche farblich überfasste Wundmale erkennbar. Dies spricht dafür, dass sich in der Figur ein Mechanismus befand, der eine Flüssigkeit aus der Seitenwunde (eventuell auch aus den Wundmalen) fließen ließ. Ein Loch in der Kelchschale spricht dafür, dass sich diese Flüssigkeit in ein Becken oder ein ähnliches Gefäß ergoss. Das heilsame Quellen des Blutes aus den Wunden, wie es mit vielschichtigem theologischen und symbolischen Gehalt auf Bildern und Graphiken zu sehen ist, wurde also tatsächlich anschaulich und effektvoll dargestellt.

Das Motiv des aus den Wundmalen und der Seitenwunde blutenden Christus ist vor allem im späteren Mittelalter in der Verbindung mit dem in expressiver Weise blutüberströmten, mit den Wundmalen und Leidenswerkzeugen dargestellten Schmerzensmann geläufig. Auch der Typus des Schmerzensmannes als Blutquell des Heiles ist in der spätgotischen Kunst und in der barocken Druckgraphik verbreitet. Im Gegensatz dazu ist an dem St. Pöltner Christus das – anscheinend durch eine spätere Überarbeitung bedingte – Fehlen von Wundmalen und Leidenswerkzeugen bezeichnend: Christus erscheint hier nicht mehr als Blutquell sondern im Typus des Auferstandenen, als souveräner Spender, geradezu als Personifikation des Altarsakraments.