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Kunstwerk der Woche: Apostelfiguren

Apostelfiguren
1720–1750
Holz geschnitzt, gefasst und vergoldet
ehemals Pfarre Haidershofen

 

Thema der aktuellen Sonderausstellung ist die Veränderung des Kirchenraumes im Laufe der Zeit. Konzilsbeschlüsse oder neue Entwicklungen im Zeitgeschmack haben immer auch unmittelbare Auswirkungen auf die Kunstwerke, die sich in den Kirchen befinden. Im schlechtesten Fall werden Statuen, Gemälde, Altäre oder andere Ausstattungsobjekte zerstört, im besten Fall gelangen sie in fachkundige Hände, wie zum Beispiel in ein Museum. Meistens jedoch landen sie auf Dachböden, wo sie oft Jahrhunderte überdauern, was den Kunstwerken natürlich großen Schaden zufügt. Exemplarisch für dieses häufige Schicksal stehen in der Ausstellung die fragmentarisch erhaltenen vier Apostelstatuen.

Das Kircheninventar aus dem Jahr 1875 verzeichnet für die beiden barocken Seitenaltäre je ein Apostelpaar: rechts Petrus und Philippus und links Andreas und Jakobus. Drei der Figuren sind in bewegter Kontrapoststellung, mit über die linke Schulter zurückgeneigtem Kopf, die Gewänder mit weichen Falten und schwingenden Säumen, wiedergegeben. Die vierte Figur, im verkehrten Kontrapost und dementsprechender Kopfwendung zur rechten Schulter, ist in ihrer Bewegungsdynamik gemäßigter, im Gegensatz zu den anderen Statuen ist sie nur mit einem Lendenrock bekleidet, der athletische Oberkörper ist zu sehen.

Diese Unterschiede in der Kopf- und Körperhaltung scheinen darauf hinzuweisen, dass es sich hier nicht um Figuren handelt, die von vornherein als Paare konzipiert waren, sondern dass wahrscheinlich eine willkürliche Auswahl aus einer größeren Gruppe (Apostelserie?) vorliegt.

Die vier Figuren stammen von den barocken Seitenaltären aus der Pfarrkirche Haidershofen. Diese Altäre wurden in den 1890ern Jahren vom oberösterreichischen Altarbauer Josef Kepplinger durch neugotische Altäre ersetzt – seither lagerten die Figuren in einem Depot.