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Kunstwerk der Woche: Altarmodell

Joseph Matthias Götz, Altarmodell, 1739 bezeichnet

Holz geschnitzt, gefasst und vergoldet, Gemälde Öl auf Metall

Der aus Bamberg gebürtige Joseph Matthias Götz gehört zu den bedeutenden Bildhauern Niederbayerns und der österreichischen Donauländer. Da er ab 1715 seinen Wohnsitz in St. Nikola bei Passau hatte, erstreckte sich sein Wirkungsbereich im Gebiet des ehemals ausgedehnten Bistums Passau bis nach Niederösterreich. So war er ab 1728 mit umfangreichen Arbeiten in Stift Zwettl, der Stadt Krems und der Wallfahrtskirche Maria Taferl betraut. Obwohl Götz vielfache bildhauerische und auch architektonische Aufgaben ausführte, war die Altarbaukunst sein eigenstes Metier. Für die Kremser Stadtpfarrkirche St. Veit schuf er den monumentalen Hochaltar, das Chorgestühl sowie die Kanzel und entwarf den Johannes-Nepomuk-Altar. Im Zuge dieser Kremser Tätigkeit entstand wohl auch dieses Altarmodell, das in der aktuellen Sonderausstellung des Diözesanmuseum zu sehen ist.


Die zentrale Altarblattskizze mit der Himmelfahrt Mariens ist Jo: Geo: Schmidt. Pinxit 1739 signiert und datiert. Der Maler Johann Georg Schmidt (1694–1767), der Wiener Schmidt, arbeitete wiederholt mit Götz zusammen.

Der architektonische und plastische Aufbau des Modells und sein inhaltliches Programm stellen hinsichtlich der eingesetzten Dynamik und Steigerung der Inszenierung den Höhepunkt der spätbarocken Altarbaukunst dar. Dabei werden alle formalen und inhaltlichen Elemente zu einer kaum steigerbaren Verdichtung des in theatralischer Weise vorgestellten sakralen Gehalts zusammengeführt.

Über dem von einer Balustrade abgeschlossenen Unterbau ist in der Sockelzone des Säulenaufbaues der Altartisch angeordnet. Der – nicht mehr vorhandene – Tabernakel wird von Engeln auf Voluten flankiert. (Vergleichsbeispiel Eingang zu Sonderausstellungsraum). Darüber erheben sich die marmorierten Säulen, die das Altarbild rahmen. In den Interkolumnien (Säulenzwischenräumen) stehen die überlebensgroß konzipierten Statuen der Hll. Petrus und Paulus sowie Joachim – die vierte Figur ging verloren. Das monumentale Gebälk wird von einem für Götz typischen flachen Volutenbogen überspannt, der die Basis für den – wiederum von Engeln und Voluten flankierten – mit reichem skulpturalen Schmuck (Johannes d. T., Johannes Nepomuk) versehenen Aufsatz (Altarauszug) bildet. In ihm thront die Gruppe der Hl. Dreifaltigkeit, (eine solche Figurengruppe ist schräg gegenüber zu sehen). Den oberen Abschluss bildet die von Engeln gehaltene und von Strahlenkränzen umrahmte Weltkugel.

Der Altaraufbau folgt in vielen Bereichen dem Hochaltar der Kremser Stadtpfarrkirche. Das Figurenprogramm und das Thema des Altarblattes lassen jedoch auf eine Marienkirche schließen. Da die heutige Piaristenkirche (ab 1776, von 1616 bis 1773 Jesuitenkirche) ein Marienpatrozinium hat, ist anzunehmen, dass es sich um ein Modell für den – dann anders ausgeführten – jedoch ebenfalls von Götz geplanten Hochaltar dieser Kirche handelt.

Das Altarmodell ist eine Dauerleihgabe aus dem Weinstadtmuseum Krems.